Wir haben uns um 19:30 Uhr im Foyer der NN in der Marienstraße in Nürnberg getroffen. Zuerst stand ein Besuch in der Redaktion an, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sehr stark besetzt war, da die Zeitung inhaltlich ja schon in weiten Teilen "fertig" war. Dennoch interessant zu sehen, wie das Großraumbüro aussieht, in dem die Redakteure der Nürnberger Nachrichten, der Nürnberger Zeitung und die Online-Redakteure zusammen arbeiten - letztere haben ja eigentlich nie Redaktionsschluss.
Danach ging es abwärts und durch ein Labyrinth von Gängen in einen Besprechungsraum, in dem uns ein Film gezeigt wurde, der uns die Feinheiten der Druckerei und der Logistik näher brachte - erst die Theorie, danach sollten wir das alles live zu sehen bekommen.
Ein netter Aspekt war, dass wir im Film als "Dynamo Heiße Loipe" begrüßt wurden 😊
| Wir warten auf den Film (im Hintergrund eine der riesigen Druckmaschinen) |
| Der Herr Sandner führte uns kompetent und kurzweilig durch den Abend |
Wie kommt nun das, was die Redakteure schreiben, zu der Druckerei?
Mit einem Redaktionssystem wird jeweils eine komplette Seite erstellt, Text, Bilder, Anzeigen, was halt auf die Seite drauf soll. Die Daten dieser Seite werden dann an ein Ausgabegerät gesendet, das einen Film zur Belichtung der Druckplatte herstellt. An einer "Plattenstraße" wird aus einem belichteten Film (also einer Zeitungsseite) per Offset-Kopie eine Druckplatte hergestellt; diese Druckplatte kann dann in die Druckmaschine eingelegt werden.
Da die Seiten farbig gedruckt werden sollen, braucht man insgesamt vier Druckplatten, eine für jeden "Farbraum". Warum vier? Alle Farben lassen sich aus vier Farbbestandteilen darstellen. Diese Bestandteile heißen CMYK - C für Cyan (blau), M für Magenta (rot), Y für Yellow (gelb) und schließlich K für Key (schwarz). Das K stammt von der Verwendung einer „Schlüsselplatte“ (Key plate) im Druck. Dies ist die schwarz druckende Platte. Es wurde das K anstelle des Buchstabens B (black) gewählt, um Verwechslungen mit der Farbe Blau (blue) vorzubeugen.
Das habt Ihr Euch ja alle auch gemerkt... Aber falls die Erinnerung im Lauf der Zeit etwas verblassen sollte (ein unwahrscheinlicher Vorgang, ich weiß), kann man es nochmal nachlesen.
Jetzt wäre auch ein guter Zeitpunkt, sich vielleicht ein Bier oder sowas zu holen, denn es geht gleich weiter mit Technik.
Gedruckt wird im Offset-Verfahren. Aha.
Erstmal erspare ich Euch die ausführliche Beschreibung des Vorgangs, wie die Farbe auf die Druckplatte kommt, und zwar genau dahin, wo sie hin soll - und nicht in die angrenzenden Bereiche (zur Erinnerung: "wasseranziehend" und "fett-freundlich" waren da die Begriffe). Also, jetzt ist die Druckplatte eingefärbt.
Und jetzt Offset: der Offsetdruck ist ein "indirektes Flachdruckverfahren"; dabei kommen die Druckplatte und der Druckträger (das Papier) nicht miteinander in Berührung. Die Farbe wird erst auf einen Gummituchzylinder und von dort auf das Papier übertragen. So wird die Druckplatte geschont und hält länger, eine hohe Qualität von Bild und Schrift wird erreicht, und es können hohe Geschwindigkeiten erzielt werden.
Ein interessanter Nebeneffekt: die Zeitung färbt nicht mehr ab; früher waren Hände und Tischdecke mit "Druckerschwärze" verschmutzt, das ist jetzt vorbei. Der Farbaufdruck ist deutlich geringer, und die Farbpartikel dringen in das Papier ein.
Papier. Genau, Zeit für ein paar Bilder. Ab in den Rollenkeller.
| gespanntes Warten - gleich geht's lohos |
| in der Tat: Rollen, ganz viele sogar |
Der Verlag verbraucht im Jahr 24.000 Rollen mit je mehr als 10 Kilometer Papier. Eine Wochenend-Ausgabe braucht über 130 Rollen.
In Rollenwechsler-Maschinen, 16 Stück gibt es davon, kann ohne Unterbrechung oder Reduzierung der Geschwindigkeit eine neue Rolle angeklebt werden.
| ein Rollenwechsler |
Die Papierrollen werden (natürlich) von Maschinen an den Rollenwechslern angeliefert.
Jetzt geht es in die Druckerei, ein Stockwerk höher.
Von den Rollenwechslern läuft das Papier hoch zu einem Druckturm. Davon gibt es insgesamt zwölf. Jeder kann bis zu 16 Seiten vierfarbig drucken. Alle Druckwerke zusammen können bis zu 43.000 Seiten pro Stunde herstellen.
Dann kommt das bedruckte Papier zu einem der sechs Falzapparate. Again what learned: die "Vorfalzstellung". Eine Hälfte der geknickten Zeitung ist etwas kürzer als die andere (genau 14 Millimeter). Hab ich immer schon mal gesehen, aber nichts dabei gedacht. Warum macht man das? Wenn Lokal- und Heimat-Teile oder Werbung oder Beilagen zur Zeitung hinzugefügt werden sollen, muss der Bestückungsautomat die Zeitung öffnen können.
| hier wird offensichtlich gerade M gedruckt (Magenta) |
Irre Technik. Und wie schnell das Papier durchläuft!
Wie gut, dass man noch ein paar Dinge sieht, die den Laien an "Drucken" erinnern, also Farbe und Saubermachen...
Insgesamt 28 Leute arbeiten in der Produktion. Aber weil die Maschinen so riesig sind, sieht man eher wenig Leute - und etliche arbeiten im Leitstand, wo wir nicht rein durften.
So schnell...
Das war schon alles beeindruckend genug - und jetzt dürfen wir auch das Ergebnis begutachten: eine fertig gedruckte Zeitung! Von morgen!
Jetzt geht es weiter aufwärts mit uns, in die Expedition.
Dort begegnen uns zuerst die aufgewickelten Beilagen, die in die fertig gedruckte Zeitung eingelegt werden sollen: Werbungsprospekte, die ganzen verschiedenen Lokalteile, das "Magazin am Wochenende" und was sonst noch zur Zeitung dazu soll.
Immer wieder staunen wir über das Labyrinth der Transportbänder, die sich durch die Hallen winden. Insgesamt vier Kilometer sind die lang!
Die gesamte Auflage eines Tages wird nach dem Druck in nur fünf Stunden versandfertig gemacht. Dazu sind vier Verarbeitungslinien parallel geschaltet. Mannshohe Einstecktrommeln sind die Kernstücke der Anlagen. In diesen Maschinen werden die Zeitungen in einer unaufhörlichen Drehbewegung in 45 Taschen einsortiert, leicht aufgeklappt und mit bis zu sieben Beilagen gefüllt. Gut ein Dutzend Exemplare pro Sekunde, bis zu 45.000 pro Stunde erhalten so in jeder Trommel ihren endgültigen Umfang.
Heute werden an Werktage etwas 230.00 Exemplare hergestellt, an Wochenenden kommen nochmals ca. 30.000 dazu.
So eine Samstagsausgabe mit allen Beilagen wiegt insgesamt schon mal über 80 Tonnen.
| vorne halblinks ist so eine Einstecktrommel (erkennbar hinter den Plattn von Alfred, Manfred (ein Gast in unserer Runde) und Herrn Sandner) |
Danach geht die Wanderung der Zeitungen (und unsere) weiter zum Verpackungsbereich. Wieder über ein Gewirr von Förderanlagen.
Zum Verpacken bündeln Greifer die Zeitungen - je nach Zustellbezirk - zu unterschiedlich dicken Stapeln. Ein Drucker erzeugt den zugehörigen Versandzettel mit allen aktuellen Informationen für die Zeitungsausträger, Mengenangabe, Bezirksnummer, Adresse der Ablagestelle, aber auch z.B. wenn ein neuer Abonnent dazu kommt oder jemand in Urlaub ist. Dann werden die Pakete in Folie eingepackt und per Förderband in den Versandhof gebracht.
Die Anlagen arbeiten unabhängig von den Druckmaschinen in einem eigenen Rhythmus. Häufig laufen die Vorbereitungen in der Expedition schon am Nachmittag an - bis 03:30 Uhr in der Früh muss alles geschafft sein. Hier arbeiten bis zu 110 Personen, jede Nacht.
Ab 01:00 Uhr beginnt die Auslieferung. Um die 75 Zeitungsausfahrer müssen sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort im Verladehof einfinden, damit ihr Transporter mit den richtigen Paketen beladen werden kann. Die Ausfahrer laden die Zeitungspakete an vereinbarten Stellen ab, wo sie dann von den Zustellern abgeholt und in die Briefkästen der Abonnenten verteilt werden. Die Fahrzeugflotte legt jede Nacht ca. 12.000 km zurück.
Ziel ist es, dass jeder Kunde spätestens um 06:00 Uhr seine Zeitung bekommen hat. Über 2000 Austräger sorgen dafür. Die legen jeden Morgen zusammen eine Wegstrecke von über 10.000 km zurück. Und zusätzlich gibt es noch ungefähr 400 Einsätze von "Ersatzzustellern" jeden Monat, um Urlaub und Krankheitszeiten der regulären Zusteller auszugleichen.
Zudem werden noch verschiedene Bahnhofsbuchhandlungen, über ganz Deutschland verteilt, beliefert. Und auch die Parteizentralen und die fränkischen Bundestagsabgeordneten in Berlin erhalten ihre Exemplare.
Wir befinden uns jetzt schon auf dem Weg Richtung Ausgang, nochmals vorbei an unzähligen leeren Rollenträgern und zwischen übermannshohen aufgewickelten Rollen hindurch.
Nach all diesen unzähligen Informationen, Eindrücken und auch einer gewissen Bewunderung für die Logistik, die hinter dem vermeintlich einfachen Produkt "Zeitung" steckt, haben wir uns den Abschluss im Biergarten des Marientorzwingers wirklich verdient.
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